Kirche
Meinen nächsten Halt mache ich bei der Katharina-Kapelle im Innerthal. Was passierte mit der alten Kirche?
Mich hat es sehr erstaunt, dass ich im Verlauf meiner Arbeit immer wieder von Leuten gehört habe, dass sie glauben, dass die alte Kirche noch steht. Sie glauben, dass man die Spitze des Kirchturms sieht, wenn der Wasserstand tief ist oder dass man gar beim Schwimmen den Fuss am Kirchturm anschlagen kann.
Dies stimmt nicht, kann gar nicht sein, da die Kirche 1924 gesprengt wurde.
Im Jahr 2024 jährt sich zum 100. Mal die Sprengung der Kirche von Alt-Innerthal und die Flutung des Dorfes Alt-Innerthal. Pfarrer im Innerthal war im Jahre 1924 Carl Truttmann (aus Altdorf UR), der unter der Aufsicht vom bischöflichen Kommissar Fuchs vom Bistum Chur stand. Truttmans Amtsjahre als Pfarrer in Innerthal dauerte von Januar 1922 bis Oktober 1932. Zudem wirkte in Innerthal noch Pfarr- Resignat Julius Dietzendanner (aus Bütschwil SG). Er war Pfarr- Provisor in Innerthal vom 25.11.1888 bis November 1918. Er lebte jedoch weiter in Innerthal. Während Pfarrer Truttmann stets von Kommissar Fuchs aus Chur geleitet wurde, wehrte sich der aus dem Bistum St. Gallen stammende Pfarrer Resignat.
Dietzendanner wehrte sich mit allen friedlichen Mitteln und am vehementesten von allen gegen die Zerstörung von Alt-Innerthal. Bis zum letzten Augenblick setzte er alles daran, um die Sprengung der Kirche und die Flutung des Dorfes zu verhindern. Doch letztlich musste auch er sich den Geschehnissen beugen. Wie alle Bewohner des alten Tales wurde auch die Kirche aus Alt-Innerthal vertrieben.
Der Umzug der Kirche war zwar bereits im Mai 1924 vonstattengegangen, als die neue Kirche von der AG Kraftwerk Wägital fertiggestellt worden war. Doch auch die Verlegung des Friedhofs ging nicht ohne Streitigkeiten über die Bühne. Die verstorbenen Innerthaler waren bereits in den Jahren vor der Fertigstellung des Kraftwerks in Doppelsärgen der Erde übergeben worden, um den Ortswechsel zu erleichtern. Doch als mit der Verlegung des alten Friedhofs begonnen werden sollte, gab es plötzlich Aufregung. Die neue Kirche und der neue Friedhof waren noch gar nicht geweiht worden. Die Gemeinde sah sich veranlasst, in einem dringenden Schreiben an die AG Kraftwerk Wägital darauf hinzuweisen, dass die Exhumierung der Toten und der Umzug auf den neuen Friedhof erst nach der Einweihung der neuen Kirche erfolgen könne. Als der symbolische Umzug der Kirche endlich abgeschlossen wurde, versank die alte Kirche bereits in den Fluten des entstehenden Sees. Am 9. August 1924 wurde die alte Kirche gesprengt.













